Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Filter by Categories
Allgemein
Branchennews
search icon

„Mehrwertsteuer weitergeben oder nicht?“ Das ist hier die Frage!

16.06.2020

blog

 


Überblick:

Wird die Senkung der Mehrwertsteuer den Kauf von Brillen beflügeln?
Soll ich die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben?
Wie löse ich die Senkung der Mehrwertsteuer praktisch?

Offizielle (korrekte) Preiskalkulation
Soll ich die Senkung der Mehrwertsteuer für eine Werbeaktion nutzen?

 

Seit dem Bekanntwerden des Corona-Konjunkturpakets und insbesondere seit am Freitag der Deutsche Bundestag die Senkung der Mehrwertsteuer offiziell beschlossen hat, erreichen uns viele Anrufe und E-Mails mit der Frage: „Mehrwertsteuer weitergeben oder nicht und wenn ja, wie organisiere ich das praktisch?“ Wir haben diese vielen Fragen der Kolleginnen und Kollegen zum Anlass genommen, um unsere persönliche Einschätzung und Empfehlung für Sie in diesem kurzen Statement zusammenzufassen:

 

Wird die Senkung der Mehrwertsteuer den Kauf von Brillen beflügeln?

Ziel des Konjunkturpaketes ist es, die Nachfrage (nach kostenintensiven) Gütern kurzfristig zu steigern. Inwieweit die Augenoptik unmittelbar von einer gesteigerten Nachfrage profitieren wird, lässt sich nur sehr schwer einschätzen. Betrachtet man ausschließlich die Ersparnis, die ein Kunde beim Kauf einer hochwertigen Gleitsichtbrille „gewinnt“, so wird schnell klar, dass ein reduzierter Kaufpreis von 20 – 40.- Euro nicht als Wunderwaffe bezeichnet werden kann. Einzig eine Steigerung der allgemeinen Konsumfreude, also die allgemeine Bereitschaft der Kunden Geld auszugeben, kann auch positive Effekte auf die Augenoptik haben.

 

Soll ich die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben?

Betrachtet man die Mehrwertsteuer im Rahmen der klassischen Vollkostenrechnung, so ist festzustellen, dass diese Steuer mit der Kalkulation von Produkten und Dienstleistungen nicht unmittelbar in Zusammenhang steht. Kosten für Einkauf, Personal, Geschäftsmiete haben ein deutlich höheres Gewicht in der Kalkulation der Verkaufspreise. Grundsätzlich „muss“ die Senkung der Mehrwertsteuer also an die Kunden weitergegeben werden.

Soweit die Theorie. Es sind aber eigentlich zwei wesentlichere Argumente, die aus meiner Sicht für eine direkte Weitergabe sprechen: Zum einen wird mindestens jeder zweite Kunde im Verkaufsgespräch danach fragen und zum anderen gelten Augenoptiker pauschal nicht als die großen Verlierer der Corona-Krise, sodass es die Augenoptik – angesichts der hohen Margen – eigentlich auch nicht nötig hat, die Differenz einzusacken. Stellen Sie sich vor, Sie würden das nicht tun und die Differenz einbehalten: Sie müssten Ihre Entscheidung jedem zweiten Kunden erklären und würden vermutlich bei der Mehrheit der Kunden damit auch emotional nicht durchkommen oder fragende Gesichter sehen.

Daher also unsere klare Empfehlung, um unnötige Diskussionen zu vermeiden und auch das Gesicht zu wahren: Geben Sie die Senkung der Mehrwertsteuer „ehrlich“ an Ihre Kunden weiter!

 

Wie löse ich die Senkung der Mehrwertsteuer praktisch?

Wenn Sie alles richtig machen wollen, müssten Sie jede einzelne Brillenfassung, jedes Pflegemittel, jedes Brillenbändchen, … also alles neu auszeichnen. Sie müssten jedes Preisschild, Preisangaben im Schaufenster oder auf Ihrer Website entsprechend ändern. Das Ergebnis: Aus den „schönen“ Preisen nach dem Preisschwellen-Prinzip würden „krumme“ Preise werden, aus 199.- Euro werden dann einfach mal 193,98. Wunderbar! In der Praxis würden Sie dann vermutlich auf 194.- Euro aufrunden, da „krumme“ Preise zwar ehrlich aber irgendwie auch komisch sind. Sie würden also alle Preise neu kalkulieren.

Und am 1. Januar 2021 dann das Ganze wieder zurück auf Anfang. Alles noch einmal neu auszeichnen und alle Preisschilder noch einmal ändern. Ganz ehrlich: Die Arbeit würden wir uns sparen und die dadurch gewonnene Zeit in Weiterbildung, Kundenberatung oder etwas anderes Sinnvolleres investieren.

Unsere ganz konkrete Empfehlung: Lassen Sie alles so, wie es ist, und ziehen Sie dem Kunden bei der Nennung des Endpreises einfach 3% ab und fertig. Moment … Jetzt werden Sie bestimmt sagen: Das sind aber gar keine 3%, schließlich muss man von 119% „runter rechnen“ auf 116% und das entspricht einer tatsächlichen Ersparnis von 0,25862…%. Ja, natürlich haben Sie Recht! Aber in der Praxis sind die meisten Kunden keine Betriebswirte mit Bachelor- oder Masterstudium und wollen Sie wirklich allen Ihren Kunden – oder zumindest denen, die danach fragen – die Grundzüge der Prozentrechnung erklären? Ganz ehrlich: Auch diesen Aufwand würden wir uns sparen, insbesondere wenn man folgendes Praxis-Beispiel betrachtet:

 

„Offizielle“ (korrekte) Preiskalkulation:

Gleitsichtbrille mit 19% MwSt. = 1.120.- Euro
Gleitsichtbrille mit 16% MwSt. = 1.091,76 Euro
Ersparnis für den Kunden = 28,24 Euro

Pragmatische Preiskalkulation:

Gleitsichtbrille mit 19% MwSt. = 1.120.- Euro
Gleitsichtbrille mit 3% Preisnachlass = 1.086,40 Euro
Ersparnis für den Kunden = 33,60 Euro

 

Wir sprechen also von einem Fehler von 5,36 Euro bei einer hochwertigen Gleitsichtbrille oder pauschal betrachtet von nicht einmal 0,5%. Bei einem Monatsumsatz von 30.000.- Euro würde das bedeuten, dass Sie ca. 150.- Euro „verschenken“. Gemessen an dem Aufwand für eine „offizielle“ Umstellung und spätere Rück-Umstellung: Peanuts!

Also unsere Empfehlung: Lassen Sie die offiziellen Verkaufspreise einfach genau dort, wo Sie sind und geben Sie jedem Kunden einen pauschalen Preisnachlass von 3%. Auf der Rechnung und für Ihre Buchhaltung müssen Sie die Netto- und Bruttopreise natürlich korrekt ausweisen, das ist klar! Rechnen Sie also vom neuen Brutto-Verkaufspreis den „neuen“, reduzierten Netto-Preis von „unten nach oben“.

 

Soll ich die Senkung der Mehrwertsteuer für eine Werbeaktion nutzen?

Auch wenn wir natürlich großer Fan von Werbung sind: Unsere ganz klare Empfehlung ist, die Senkung der Mehrwertsteuer alleine nicht als Grund für eine Werbeaktion, also z.B. ein Mailing, eine Zeitungsanzeige oder einen Social-Media-Post zu nutzen! Wenn Sie hingegen ohnehin eine andere Aktion planen, können Sie dies gerne als „Add-on“ kommunizieren, also z.B. in Form eines Störers mit dem Text: „Natürlich geben wir die MwSt.-Senkung in voller Höhe an Sie weiter!“

Unsere Empfehlung: Als „Stand-Alone-Aktion“: nein! In Kombination: ja!

 

Bitte betrachten Sie die Antworten in unserem Blogartikel als allgemeine Empfehlungen. So wie bei jeder anderen unternehmerischen Entscheidung sollten Sie auch hier Ihre individuelle Situation im Unternehmen betrachten. Unsere Empfehlung kann Sie lediglich dabei unterstützen Ihre individuelle Entscheidung zu treffen.

Kategorien


Beliebteste Beiträge

„Mehrwertsteuer weitergeben oder nicht?“ Das ist hier die Frage!

  Überblick: Wird die Senkung der Mehrwertsteuer den Kauf von Brillen beflügeln? Soll ich die Senkung der weiterlesen

16.06.2020

2020 – Ein Jahresrückblick, schon heute!

  Sie fragen sich jetzt sicher: Ist das wirklich ernst gemeint? Spinnen die jetzt bei to.eyes? Naja, ein weiterlesen

09.06.2020

Corona
WelcomeBack-Marketing

  Heute möchten wir Ihnen - aus aktuellem Anlass - unsere neueste Marketing-Unterstützung vorstellen, das weiterlesen

23.04.2020


Tags